Warme Abendsonne, glückliche Gesichter und immer wieder Applaus: Auf dem Gelände des Tischlerbildungszentrums feierte die Tischler-Innung Gütersloh unter freiem Himmel die Freisprechung ihres aktuellen Prüfungsjahrgangs. Für 51 junge Tischlerinnen und Tischler endete an diesem Abend die Ausbildungszeit, und gleichzeitig begann ein neuer Abschnitt im Berufsleben.
Die Botschaft des Abends war eindeutig: Mit dem Gesellenbrief endet die Ausbildung, aber nicht das Lernen. Obermeister Frank Grimm sprach die Nachwuchskräfte offiziell frei und machte ihnen Mut für ihren weiteren Weg. „Jetzt fängt eure Entwicklung erst richtig an“, sagte er. Handwerk lebe davon, sich weiterzuentwickeln und offen für Neues zu bleiben. Gleichzeitig erinnerte Grimm daran, dass niemand diesen Weg allein gehe. „Erfolg entsteht immer gemeinsam.“ Sein Dank galt deshalb den Ausbildungsbetrieben, den Lehrkräften sowie den Eltern, Familien und Freunden, die die jungen Menschen während ihrer Ausbildung begleitet haben.
Diesen Gedanken griff auch Detlev Kroos auf. Als Tischlermeister sprach er nicht nur als stellvertretender Landrat, sondern aus eigener beruflicher Erfahrung. Er ermutigte die frischgebackenen Gesellinnen und Gesellen, neugierig zu bleiben und den eigenen Horizont zu erweitern, etwa durch Auslandserfahrungen als moderne Form der traditionellen Wanderschaft. „Wer nicht stehen bleibt, wird besser“, gab er ihnen mit auf den Weg. Mit Blick auf den technischen Wandel ergänzte er: „Das haben wir immer so gemacht“ sei für eine Werkstatt gefährlicher als ein stumpfes Sägeblatt.
Insgesamt bestanden 51 Prüflinge ihre Gesellenprüfung, darunter neun Frauen. Mit einem Frauenanteil von rund 16 Prozent liegt die Tischler-Innung Gütersloh deutlich über dem Bundesdurchschnitt von sechs bis acht Prozent.
Die Wertschätzung für das Tischlerhandwerk zeigte sich nicht nur bei der Freisprechung. Bereits Mitte Juni lockte die öffentliche Ausstellung der Gesellenstücke im Kloster Wiedenbrück mehr als 2.000 Besucherinnen und Besucher an. Sie informierten sich über die Arbeiten des Tischlernachwuchses und würdigten dessen handwerkliches Können. Für die Innung unterstreicht die große Resonanz das hohe Interesse am Handwerk in der Region.
Zu den weiteren besonderen Momenten des Abends gehörte die Ehrung der Klassenbesten durch die Berufsschullehrer. Im Anschluss rückten die besten Prüfungsleistungen des gesamten Jahrgangs in den Mittelpunkt. Das beste Gesamtergebnis erzielte Alexander Averbeck (Tischlerei Grimm GmbH, Herzebrock-Clarholz) mit 93,00 Punkten. Luk Lillebor Schuster (Thomas Vollmer, Halle) erreichte 92,08 Punkte und Hanna Schulte aufm Erley (Michael Werner, Gütersloh) folgte mit 92,00 Punkten. Den Johan-Heinrich-Riesener-Preis für das beste praktische Prüfungsergebnis erhielt ebenfalls Alexander Averbeck.



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