Das Handwerk im Kreis Gütersloh und in der Stadt Bielefeld zeigt sich weiterhin als stabile wirtschaftliche Säule der Region, blickt jedoch mit zunehmender Vorsicht auf die kommenden Monate. Steigende Lohn- und Energiekosten, wachsende bürokratische Belastungen sowie anhaltende wirtschaftliche Unsicherheiten dämpfen die Erwartungen vieler Betriebe. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld, die im Januar unter rund 2.300 Innungsbetrieben durchgeführt wurde.
Verhaltener Ausblick – stabile Lage mit angezogener Handbremse
Viele Betriebe rechnen für das Jahr 2026 mit einer schwierigeren wirtschaftlichen Entwicklung. Auf die Frage nach dem Ausblick für 2026 – bewertet auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) – ergibt sich ein durchschnittlicher Wert von 3,6. Das zeigt eine insgesamt eher vorsichtige Grundstimmung im Handwerk, die jedoch stabiler ist als noch vor zwei Jahren.
Kreishandwerksmeister Georg Effertz, Dachdeckermeister aus Rheda-Wiedenbrück, ordnet die Ergebnisse realistisch ein:
„Die wirtschaftliche Lage im Handwerk ist spürbar angespannter als noch vor einigen Jahren, aber sie ist nicht eingebrochen. Weniger Auftragsüberhang heißt für die Betriebe zwar mehr Unsicherheit, für die Kundinnen und Kunden aber oft auch kürzere Wartezeiten – das sind zwei Seiten derselben Medaille.“
Sinkende Erträge und knappe Auftragsbücher – besonders im Bauhandwerk
41 Prozent der befragten Betriebe geben an, dass sich ihre Ertragslage im Jahr 2025 verschlechtert hat, lediglich 19 Prozent berichten von einer Verbesserung. Angespannt ist die Situation auch im Bauhandwerk. Dort reichen die Auftragsbestände bei rund drei Vierteln der Betriebe für maximal drei Monate. Auch in den Ausbaugewerken wie Sanitär-Heizung, Elektro oder Maler ist der Auftragsüberhang rückläufig.
Für Auftraggeber kann diese Entwicklung durchaus positive Effekte haben. Während Handwerksbetriebe in einigen Gewerken in den vergangenen Jahren teils monatelang ausgebucht waren, sind Termine heute in vielen Fällen wieder schneller verfügbar.
Große Unterschiede zwischen den Gewerken
Die Konjunkturumfrage zeigt deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Gewerken. Besonders stark unter Druck stehen Betriebe mit enger Nähe zum Einzelhandel. Bei Friseurbetrieben berichten mehr als die Hälfte von einer verschlechterten Ertragslage, bei Bäckern und Fleischern sind es rund zwei Drittel. Auch im Kfz-Handwerk meldet ein großer Teil der Betriebe rückläufige Erträge.
Bürokratie bleibt größtes Hemmnis
Als größte Herausforderung nennen die Betriebe erneut bürokratische Hürden – noch vor Fachkräftemangel, steigenden Einkaufspreisen und Energiekosten. Kreishandwerksmeister Frank Wulfmeyer, Tischlermeister aus Bielefeld, sieht hier dringenden Handlungsbedarf:
„Viele Betriebe würden gern investieren, modernisieren und ausbilden, werden aber durch Bürokratie, hohe Kosten und fehlende Planungssicherheit ausgebremst. Wenn wir dem Handwerk wirklich helfen wollen, brauchen wir weniger Vorschriften und verlässlichere Rahmenbedingungen.“
Handwerk als tragende Säule der Ausbildung – Zurückhaltung als Warnsignal
Das Handwerk ist traditionell einer der wichtigsten Ausbilder in der Region Gütersloh und Bielefeld. Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe hat in den vergangenen drei Jahren ausgebildet und damit maßgeblich zur Fachkräftesicherung beigetragen. Gleichzeitig zeigt sich, dass wirtschaftliche Unsicherheit zunehmend Auswirkungen auf die Ausbildungsplanung hat. Die Zahl der Auszubildenden im ersten Lehrjahr ist binnen eines Jahres von 1.406 auf 1.314 gesunken – ein Rückgang um 6,5 Prozent.
Hauptgeschäftsführer Jens Uwe Pape betont, dass diese Entwicklung nicht als mangelnde Ausbildungsbereitschaft zu verstehen sei:
„Das Handwerk ist traditionell einer der wichtigsten Ausbilder in unserer Region. Wenn Betriebe bei der Ausbildung zurückhaltender werden, ist das kein fehlender Wille, sondern ein Zeichen dafür, dass das Vertrauen in die Zukunft fehlt – genau hier setzen wir mit unserer aktiven Ausbildungsvermittlung an.“
Die Kreishandwerkerschaft unterstützt ihre Innungsbetriebe dabei gezielt mit einem eigenen Team von Ausbildungs- und Vermittlungsfachkräften. Zentrale Anlaufstelle für Jugendliche und Betriebe ist dabei auch das Portal www.starte-ausbildung.de, über das Ausbildungsplätze vermittelt und Betriebe aktiv bei der Nachwuchsgewinnung begleitet werden.
Verantwortung übernehmen – Planungssicherheit schaffen
Trotz der angespannten Rahmenbedingungen bleibt das Handwerk ein verlässlicher Arbeitgeber in der Region. Die Mehrheit der Betriebe rechnet für 2026 mit stabilen Beschäftigtenzahlen. Die Konjunkturumfrage macht jedoch deutlich, dass wirtschaftliche Unsicherheit, hohe Kosten und Bürokratie langfristig auch die Fachkräftesicherung gefährden können.
Kreishandwerksmeister Georg Effertz betont die Rolle des Handwerks für die regionale Stabilität:
„Das Handwerk übernimmt Verantwortung für Beschäftigung, Ausbildung und Wertschöpfung vor Ort. Damit wir diese Rolle auch künftig ausfüllen können, brauchen die Betriebe wieder mehr Planungssicherheit und verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen.“
Kreishandwerksmeister Frank Wulfmeyer sieht vor allem die Politik in der Pflicht:
„Wenn Investitionen und Ausbildung wieder Fahrt aufnehmen sollen, müssen bürokratische Hürden spürbar abgebaut werden. Weniger Vorschriften und klarere Regeln würden vielen Betrieben sofort helfen.“

















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