Wer heute mit Herbert Schumacher (88) spricht, begegnet einem Mann, der das Handwerk nicht nur verstanden, sondern über Jahrzehnte geprägt hat. Das Handwerk rund um Wasser, Wärme und Energie war für ihn nie nur ein Beruf, sondern ein fester Bestandteil seines Lebens. Schon als Kind war er im elterlichen Betrieb dabei und erinnert sich lebhaft daran, wie er mit etwa elf Jahren „mit Pferd und Wagen zu den Kunden gefahren“ ist. Später folgten Touren mit dem Fahrrad und einem Anhänger, beladen mit Werkzeug und einer Gasflasche – ein Bild, das zeigt, wie körperlich und zugleich pragmatisch der Arbeitsalltag damals war –, ehe schließlich das erste Auto in den Betrieb einzog. Es war eine Zeit des Wandels, und Herbert Schumacher wuchs mitten hinein in eine Branche, die sich technisch rasant weiterentwickelte.
Von Gütersloh nach Hamburg und Berlin: Die prägenden jungen Jahre
Nach seiner Ausbildung im elterlichen Betrieb gehörte er zu dem ersten Jahrgang, der die Wehrpflicht leistete, und war in Hamburg stationiert. Anschließend zog es ihn für zwei Jahre nach Berlin, wo er sowohl die Ingenieurschule als auch die Meisterschule besuchte. Für ihn war diese Zeit weit mehr als reine Ausbildung – es war ein Lebensabschnitt voller neuer Eindrücke und Leichtigkeit. Er erzählt gerne von Abenden, an denen er tanzen ging, manchmal sogar im Dachgarten des damaligen Hilton-Hotels, und erinnert sich lächelnd: „Das war eine schöne Zeit in Berlin.“
Auch beruflich prägte ihn diese Offenheit für Neues. Als im Handwerk noch Koksbrenner Standard waren, erlebte er die Einführung der Ölheizungen Ende der 1950er Jahre und später den großen Meilenstein der Erdgasumstellung 1965. In diesem Jahr wirkte er auch als Gründungsmitglied der Gasgemeinschaft Gütersloh daran mit, eine zuverlässige Erdgasversorgung in der Region aufzubauen. Die Kooperation zwischen den Stadtwerken Gütersloh, Installateuren sowie Einzel- und Großhändlern war entscheidend dafür, dass die neue Energieform ihren Weg in die Haushalte fand. Was damals Pionierarbeit war, wird heute von der Netzgesellschaft Gütersloh fortgeführt – doch die Grundlage dafür lag im Engagement solcher Handwerkerpersönlichkeiten.
Seine Faszination für technische Entwicklungen blieb ein ständiger Begleiter. Bereits Mitte der 1970er Jahre besaß er einen Apple II und nutzte ihn für erste digitale Aufgaben im Betrieb. Neue Organizer, mobile Geräte, digitale Planungshilfen – Herbert Schumacher probierte aus, was ihm und seinem Betrieb nützlich sein konnte, und blieb damit dem technischen Fortschritt immer einen Schritt voraus. Bis heute organisiert der heute 88-Jährige seine Termine und Bankgeschäfte selbstverständlich mit dem Smartphone. Für ihn war die Frage nie, ob man neue Technik nutzt, sondern nur, wie sie das Arbeiten besser machen kann.
Ehrenamt aus Überzeugung: Ein Leben für Vernetzung und Gemeinschaft
Neben seinem Betrieb spielte das ehrenamtliche Engagement für das Handwerk immer eine tragende Rolle. Schon sein Vater war in der Innung aktiv, und für ihn selbst war es „immer selbstverständlich, sich mit anderen Betrieben zu vernetzen“. Über drei Jahrzehnte leitete er die SHK-Innung Gütersloh als Obermeister und engagierte sich zugleich im Vorstand des Landesfachverbands SHK NRW sowie in verschiedenen Fachkommissionen. Sein Engagement brachte Betriebe zusammen, stärkte den fachlichen Austausch, trieb technische Entwicklungen voran und prägte das regionale und landesweite SHK-Handwerk nachhaltig.
Nach 44 Jahren im Betrieb übergab er 2004 die Unternehmensführung an seinen Sohn Bernd Schumacher. Der Übergang erfolgte in dem Bewusstsein, dass Tradition nur dann lebendig bleibt, wenn sie in gute Hände weitergegeben wird. Und auch wenn er heute nicht mehr im Arbeitsalltag steht, bleibt er seiner Handwerkswelt verbunden. Ab und zu schaut er bei der Kreishandwerkerschaft in der Eickhoffstraße vorbei – meistens dann, wenn er seinem Lieblingshobby nachgeht: Herbert Schumacher liebt es, in der Stadt Kuchen essen zu gehen und verbindet seine Spaziergänge gerne mit einem kurzen Besuch bei „seiner“ Kreishandwerkerschaft.
Am 16. Dezember wird die Kreishandwerkerschaft gemeinsam mit der Handwerkskammer an Herbert Schumacher und viele weitere Jubilare in feierlichem Rahmen im Lind am See in Rietberg die Ehrenmeisterbriefe übergeben.


Foto: Stephan Schütze Fotografie 


Bild: MDM













Bild: MDM / Kreishandwerkerschaft






















Bild: Maximilian Mühlenweg / Kreishandwerkerschaft




















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Illustration erstellt mit Unterstützung von KI 





Foto: ZDH/Henning Schacht
Bild: kompetenzz | Björn Gaus








Bild: MDM / Kreishandwerkerschaft
Bild: MDM/Kreishandwerkerschaft



Bild: Andreas Frücht




























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Foto: Kreis Gütersloh


















Bild: DerGeselle, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons






































